Seit einigen Monaten unternimmt in der kleinen Stadt Düren eine kleine Gruppe Menschen Anstrengungen einen Weg aus der Wegwerfgesellschaft zu ebnen.
          
          nullkommanix Umsonstladen in Düren macht mobil
          
          25.10.2014
          
          Wir befinden uns ebenso in der Stadt Düren als auch in der Gründungsphase eines bald hier ansässigen Umsonstladens. Noch haben wir kein Ladenlokal. Um Endlich offiziell zu werden haben wir den Beschluss gefasst, Fahrräder und -Anhänger mit Wahren zu bestücken und uns in die menschlichen Massen und Gassen Dürens zu stürzen.
         foto Fahrrad präparieren
         Wir bestücken ein altes Postfahrrad und einen Angänger mit Waren. Unter anderem hatten wir folgendes im Angebot:
          Eine Kiste Bücher, Christbaumkugeln, Kasten Weingläser, Plastiktrinkbecher, diverses Kinderspielzeug, elektrische Schreibmaschine, Kühlakkus, Katzentunnel, elekrisches Brotmesser, DVD Spieler, blaues Teeset, Tassen und Untertassen, Maßband, div Vasen, Untertöpfe, Frische Minze, Kuchenteller, Salatbesteck, Messbecher, milchaufschäumer mit Ladestation, Lametta, Glühbirnen, Dekosteine und einige weitere Dinge mit denen ich teils derart wenig anfangen kann, dass ich sie noch nichtmals zu benennen vermag.
         foto Wagen vor der Tour
         foto Nimm mit
         Wir werden regelrecht überfallen. Innerhalb der ersten 10 Minuten werden wir bereits die Hälfte der Dinge los. Unsre erste "Kundin" ist zunächst irritiert und verunsichert. "Und das kann ich alles so mitnehmen?" "Das ist ja toll, na was nehm ich denn?" Ein Plastikuntertopf und noch irgend ein Krams werden eingesammelt "Och ja das auch noch" Wir verabschieden uns von einen Plastiktrinkbecher und der ersten zufriedenen Kundin. Ob die Frau tatsächlich Verwertung für die Dinge hat, weiß ich nicht. Ich habe folgenden Eindruck: Entweder es ging darum, die Chance jetzt etwas umsonst mitnehmen zu können zu ergreifen, oder darum Dankbarkeit zum Auszudruck zu bringen und zu zeigen, dass die Idee als gut befunden wird. Was auch immer es ist, mir ist das eher unangenehm. Ich will hier niemandem was aufschwatzen.
     
     Unser nächster Kunde ist ein kleiner Junge. Nach dem begreifen, dass hier umsonst Dinge mitgenommen werden können, fällt auch hier das bemessen der Menge schwer. Ü-Ei Figuren, so viele wie die Jackentasche aufnehmen kann werden eingepackt. Eigentlich haben wir uns überlegt, dass maximal 5 Teile mitgenommen werden dürfen. Die Regel durchzusetzen überfordert in diesem Fall alle U-Laden Teammitglieder.
     
     Ich hoffe, dass weitere Kund_innen einen besseren Zugang zur Idee des Umsonstladens haben.
     
     Die kommen dann auch. Drei Männer an einer Haltestelle, meines Vorurteils nach langzeitarbeitslose Junkies. Mit einem Blick für hochwertige leicht verkäufliche Dinge. Der DVD Spieler, das elekrische Brotmesser und eine Kristallglas-Vase der Marke Leonardo ändern den Eigentümer. Ebenso ein paar Christbaumkugeln. Wir schreiten ein und stoppen freundlich aber bestimmt den Konsumrausch. Es gibt schliesslich noch andere Menschen, die wir erreichen wollen. Am Bussbahnhof geraten wir an weitere &qüot;Kundschaft&qüot; und ausdrückliche Begeisterung sowie Offenheit für die Idee. 
           Leider sind die Menschen gegenüber Fotografie abgeneigt und so gelingt es mir nicht, ein Foto von einer der Stöber- oder GesprächsSzenen zu machen. Ich gebe es schliesslich auf um den Menschen ihre Privatsphäre zu lassen. Ich will ja nicht, dass sich jemand überwacht bzw. unwohl fühlt.
     
     Wir setzen unseren Weg fort und kommen mit verschiedensten Menschen in Kontakt. Die Idee wird gut angenommen und das Feedback ist zu 98% positiv.
     
     "WARTEN SIE MAL!" ruft es von hinten. Die Frau die eben an mir vorbei gelaufen war eilt zurück und fixiert mit Ihrem Blick den Wagen. Ich halte an. "Kann ich das alles so mitnehmen?" Ja. Sie greift sich den Karton mit dem blauen Teeset. Echt hübsch das Set. Hätte ich eine Wohnung, hätte ich es wohlmöglich selbst genommen. "Sie können sich garnicht vorstellen, wie glücklich Sie mich damit machen. Ich wollte eigentlich noch einkaufen aber jetzt muss ich meine Tour erstmal abbrechen und zurück zum Auto." 
     
     Einige Menschen bieten uns an uns weitere Dinge für den Umsonstladen vorbeizubringen. Wir geben entsprechende Kontaktdaten weiter. Eine Frau bietet an, sich über persönliche Kontakte nach einer Immobilie für den Laden umzuhören. Wir nehmen dankend an. Einige Menschen äussern den Wunsch, den Laden fest in Düren etabliert zu sehen.
     Wie ich schon erwähnte, haben wir auch Kritiker. Es beginnt mit einem verbalen anscheinend von unserm Banner "Stoppt den Wegwerfwahn" inspirierten Übergriff und lautet etwa "Ich hab viel wegzuwerfen, am besten verbrenn ich es noch." Geradezu ignorant gegenüber dem Angriff und mit einer unglaublichen Gutwilligkeit erklärt jemand vom U-Laden Team, dass der U-Laden das Ziel hat, ausrangierte Dinge weiterzuverteilen. Zu meiner Überraschung bricht das Eis und der Mann lässt sich Kontaktdaten geben um für den U-Laden eine Modelleisenbahn zu spenden. Er besteht darauf, den Vollen
           Namen einer Kontaktperson genannt zu bekommen, man habe es ja gelegentlich mit betrügern zu tun. Nun ja. wir machen ja nichts verbotenes und zu verstecken gibt es hier auch nichts.
     
     Wir beenden unsere Tour. Gut 2/3 der Dinge die wir dabei hatten haben neue Eigentümer_innen gefunden. Wir haben für viel Freude und noch mehr Begeisterung gesorgt und jede Menge Spass gehabt. Das müssen wir bald nochmal machen.
    foto null komma nix stoppt den Wegwerfwahn
         null-kommanix.de
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