Es folgt ein Auszug aus einem Tagebucheintrag vom 09.02.2014
          Als ich den Text geschrieben habe, machte ich gerade ein Praktikum in der Küche eines veganen Restaurant in Frankfurt. Für den Zeitraum des Praktikums war ich zu Gast in einer WG in der Nähe. Containern ist das wieder in Umlauf bringen von Dingen wie Lebensmitteln, die man in Mülleimern findet.
     
          Containern oder Ladendiebstahl
     
          15.11.2014
         Es ist sonntag. Ich überlege Containern zu gehen. Der Norma ist zwar direkt um die Ecke, jedoch wird das Containern durch einen Käfig erschweert. Entweder man knackt das Schloss, oder man klettert über die etwa 2.10 Meter hohe Blechwand.
Im schloss kacken ohne es zu zerstören bin ich nun nicht so geübt. Also würde ich drüberklettern. Beim rausklettern kann man sich auf die Mülltonnen stellen. Reinkommen ist in diesem Fall schweerer da die laut klappernde Blechwand keinen Tritt bietet. 
Was bleibt ist die juristische hürde. Sollte man mich erwischen, wär der Tatvorwurf nicht nur Diebstahl sondern auch Einbruch. Nach dem was ich so gelesen und aus erster Hand gehört habe, wird vergleichsweise der Ladendiebstahl, bei dem man wohl im Durschschnitt je nach Geschick erst nach einem Jahr erwischt wird weniger bestraft. Wenn nicht sogar garnicht.
Nun auch wenn man beim Ladendiebstahl je nach Geschick die freie Wahl hat, ist das nicht mein Ding. Auch wenn es mir schon oft passiert ist. ich möchte auch nicht, dass man mir was klaut. Das Containern ist zwar rechtlich gesehen Diebstahl, jedoch sind die Objekte hier aus der Verkaufsmasse ausgeschieden und haben für das Geschäft keinen wirtschaftlichen Wert mehr. Im gegenteil: Die Entsorgung kostet Geld.
         [...]

Nun muss man wissen, dass in Deutschland ewtwa 50% der für den menschlichen Verzehr produzierten und importierten Lebensmittel entsorgt werden anstelle auf dem Teller zu landen. Darunter zählen zwar auch solche Fälle wie Kartoffeln, die bei Der ärnte von der Erntemaschine nicht erfasst werden und im Erdboden verbleiben. Nicht des so trotz ist die Zahl enorm. Wenn ich dann durch den Supermarkt gehe und mir insbesondere bei den verderblichen Lebensmitteln anschaue, wie die Regale immer voll sind mit Obst, Gemüse und Brot, dann ist das eine Schande.
Aus Psychologischen Gründen muss immer alles im überfluss vorhanden sein. Der Kunde will sicherheit, wenn er den Supermarkt betritt.
Ich will das nicht. Ich bin zufrieden, wenn wir so wirtschaften, dass dies nicht pissiert. Ich wünsche mir eine Bedarfsorientierte Wirtschaft. Keine, die Bedürfnisse schafft.
Ich kenne Menschen, die im Supermarkt vorzugsweise Lebensmitteln in beschädigten Verpackungen kaufen, da sie nicht sehen können, wenn der Supermarkt diese wegschmeisst.
Es muss ja alles seine Ordnung haben. Für mich stellt sich die Frage, was ist in Ordnung?

Was passiert mit den Lebensmitteln die nicht verkauft werden?
         Ich ziehe mich für’s Containern um. Robuste Schmuddelhose und Jacke, entsprechende Schuhe und zwei Umweltbeutel.
12:45 Ich geh containern.

13:00 Die erste Tour ist beendet. Ein Baguette, Ein Brot mit Sesam Mohn und Sonnenblumenkernen, ein Dunkles Brot, 6 Körnerbrötchen. Ich musste noch nicht mal einsteigen. Kistenweise Brot standen einfach draussen vor der Tür. Es hat zwar heute morgen etwas draufgeregnet, an einigen Brotlaiben waren Frassspuren von Tieren, aber das Brot fühlt sich noch gut an und ich hätte es in dem Zustand auch noch ohne mit der Wimper zu zucken gekauft.

[...]

13:05 Ich starte die Zweite Tour.
13:15 Hui, deren Müllager Quillt ja geradezu über. Kistenweise Eisbergsalat, teils in fragwürdiger Qualität.

2 Kg   Speisemöhren
3 Kg   Trauben, rot, Sorte Napoleon
2 Kg   Orangen, Navel aus Griechenland
6 Bund Frühlingszwiebeln, teilweise noch nicht mal welk an den Spitzen
4 Stk  Eisbergsalat, aus Spanien, 3 davon sind derart frisch, dass der Strunk noch keine Feuchten Stellen hat.
3 Pkg  Staudensellerie. Containerqualität, einige Matschstellen 85% verwertbar.
         Ich reinige das Containerte Gemüse und leere die Abfalleimer.

Das klingt doch sehr nach Lasagne mit der Bechamelsauce von gestern.
[...Der restliche Text befasst sich nicht mit dem Containern ...]
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