Bericht über die Haft des Umweltaktivisten Felix
     
          17.12.2014
     
          Leider habe ich es bisher verpasst, über die Inhaftierung von Felix zu schreiben. Mittlerweile ist er wieder frei und ich habe die Gelegenheit ergriffen, ihn für ein Interview auf der Wiesenbesetzung zu besuchen.
         Aktion und Verhaftung
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          Am 18.11.2014 versuchte Felix mit zwei weiteren Aktivisten im Hambacher Forst auf einen Forsthäcksler zu klettern um ihn an seinen Arbeiten zu hindern. Die Rodungsmaschine wurde von Securitys bewacht. Besetzer und Verteidiger lieferten sich zunächst im Versuch die Rodungsmaschine zu erreichen um die Maschine herrum ein Katz und Maus Spiel. Nach und nach wurden die Besetzer gefangen und auf dem Boden fixiert. Die Besetzung scheiterte.
          
          Felix flüchtete. Als er einen Brombeerhügel herrunter rannte wurde er von einem Secu zu Boden gerissen der nun versuchte seine Hände mit Kabelbinder zu fixieren. Felix gelang erneut die Flucht, er wurde jedoch ein Paar Meter weiter erneut zu Boden gestossen.

          Ein Secu kniete auf seinem Brustkorb um ihn zu fixieren und drückte ihm bedingt durch die Art der Fixierung die Luft ab.
          Erst vier Stunden stpäter stieß: die Polizei hinzu. In den VW Bus der Polizei verladen hatte die Tortour jedoch kein Ende. Felix lag auf dem Boden des Fahrzeugs da er die Kooperation mit den Polizisten und somit auch das hinsetzen verweigert hatte. Er wurde so in das Fahrzeug verladen, dass die Füsse eines bereits im Fahrzeug sitzenden Polizisten direkt vor seinem Gesicht standen. Ein anderer Polizist äusserte die Befürchtung, Felix könne den Polizisten der vor ihm sitzt beissen oder anspucken worauf dieser Felix rein präventiv ins Gesicht schlug. Es hätte ja die Möglichkeit bestanden.
          
          Felix wurde auf die Polizeihaptwache nach Düren gebracht. Am abend wurde er von der Kripo bereits vor dem scannen der Fingerabdrücke mit seinem Namen angesprochen. Der Fingerabdruckscan lässt sich übrigens durch kräftiges drücken auf den Scanner oder bewegen des Fingers erschweren.

          Vor der Haupwache hatten sich Menschen mit den Gefangenen solidarisiert und eine Mahnwache für die Freilassung der drei Aktivisten abgehalten. Felix bekam hiervon nichts mit da die Zellen gut gegen Geräusche isoliert sind.
          Was er jedoch mitbekam, war die Entlassung der anderen zwei Aktivisti da diese ihre Entlassung lautstark auf dem Gang kommunizierten.
          
          „Freiheit lebt wo egoismus stirbt“
          Hintergrund und Verlegung
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          Am nächsten Tag, den 30.11, wurde Felix dem Haftrichter vorgeführt.
          Ihm wurde ein Pfeffersprayeinsatz gegen Secus vorgeworfen. [Nachtrag.21.12.: Der Vorwurf bezieht sich auf den 30.11.]
          Die Akte lag nur in Teilen vor und das darin enthaltene Bildmaterial war derart schlecht, dass eine eindeutige Identifizierung ausgeschlossen war. Das Material wurde nicht vollständig gesichtet.
          Da ihm neben dem Pfeffersärayeinsatz Körperverletzung und aufgrund der zu diesem Moment ungeklärtern Wohnsituation Fluchtgefahr unterstellt wurde, wurde U-Haft angeordnet.
          
          Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen Haus 5 Abteilung 1
          
          Trotz der Aussage, nichtraucher zu sein, wurde Felix zunächst in eine kleine Zelle zu einem Raucher gestekt. Erst am nächsten Tag wunde er auf eine eigene Zelle in Einzelhaft verlegt.
          Ernährung
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          Zur Auswahl standen neben Normal- auch Mohamedaner-, vegetarische- und Krankenkost.
          Felix hatte veganes Essen gefordert. Leider tat er dies erst nach der ärtztlichen Erstuntersuchung, bei der die "Krankheit" veganismus hätte festgestellt werden können.
           
          um vegane Kost zu erhalten muss bei der ärztlichen Erstuntersuchung auf eine körperliche Unverträglichkeit gegenüber TIERischen Produkten hingewiesen werden. Eine solche Unverträglichkeit entsteht in der Regel bei jahre langer veganer Ernährung.
          Die Unverträglichkeit kann man sich im Voraus ärztlich Attestieren zu lassen.
           
          Die ersten Tage verzehrte Felix ausschliesslichen die veganen Komponenten des Mittagstisches. Durch Hinweise gegenüber dem für die Essensausgabe zuständigen Wärter versuchte er, vegane Kost durchsetzen. Dieser gab jedoch an, in der Hierarchie keine entscheidungsgewalt darüber zu haben.
          Die Portionen sind reichlich und auf Nachfrage bekommt man einen Nachschlag wenn noch genug da ist. Dennnoch stellte sich Felix mit der Zeit auf vegetarische Kost um. Milchprodukte gab es in üppigen Mengen, er wurde regelrecht vollgestopft.
          
          In seisen Briefen schreibt Felix immer wieder darüber, welch ein Highlight es ist, wenn es mal wieder einen Apfel oder eine Banane zum Frühstück gibt.
          Er schätzt das Obst sehr und teilt es sich über den Tag oder auch mehrere Tage ein.   
          
          Tüt tüt *krächtz* Guten Morgen Abteilung 1. Bereitmachen zur Frühstücksausgabe.
          
          Je Montags gibt es ein Pötchen mit 250 g Marmelade. Das muss für die Woche reichen.
          
          Das Frühstück wird einem andie Zelle gebracht. Zum Frühstück gibt es ein Paar scheiben Brot und Pflanzenfett vom Block. Es wird Tee angeboten, mit dem man sich seine Teekanne auffüllen lassen kann. Zum Brot schmieren enhält man ein Schmiermesser was eine derart weiche klinge hat, dass es dazu tendiert, beim schmieren des recht festen Fettes zu verbiegen.
          
          Beim Frühstückswagen bekommt man neben Essen auch Papier, Briefumschläge und vorgedruckte Antragsformulare. Wer einen Stift braucht, bekommt diesen auf Anfrage mit der darauf folgenden Essensausgabe. 
          
          Der Plan für das Mittagessen hängt im Flur aus.
          
          Zum Abendessen gibt es Brot, dazu eine Dose Fisch, drei Käsescheiben oder kräuterquark.
          Die Zelle
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          Felix hatte eine Einzelzelle.
          
          In der Zelle gibt es einen Tisch mit Stuhl, ein Waschbecken, einen Spiegel, eine eigene Toilette mit nicht abschliessbarer Tür, eine Kommode, einen Spint und eine Pritsche mit 10 cm Schaumstoffmatratze. über die Sprechanlage an der Zellentür kann ein Radio ein, lauter und leiser gestellt werden.
          
          In den ersten Tagen war die Zelle ätzend karg. Doch dann kamen die ersten Briefe mit Fotos und Zeichnungen. Mehr hierzu im Abschnitt Briefe.
          Tagesablauf
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          6:00 Frühstück
          
          11:00 Mittagessen
          
          12:30 Posteingang
          
          Mo-Do 14-15:00 Freistunde - Kann auf den Hof.
          
          16:00 Abendessen
          
          17-18:00 Umschluss zu Zellengenossen, in die Küche oder den TV-Raum (beim Abendessen anfragen)
          
          Mo,Do Möglichkeit, zu duschen.
          
          3 x Wöchentlich wird Sport angeboten. Auch danach kann man in den Genuss einer Dusche kommen.
          
          freitags gibt es neues Klopapier, Seife und einmalrasierer.
          Ausgang
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          Ausgang gab es auf dem Innenhof. Der Hof war etwa 100 mal 30 m lang und an drei Seiten vom Gebäude umschlossen.
          Mittig stehen ein paar junge bäume auf einer kleinen Wiese, zusammen mit ein paar rund geschnittenen Sträuchern und zwei Kamerabäumen.
          Zur Beschäftigung gibt es eine Tischtennisplatte, Sitzbänke, ein grosses Schachbrett und eine Reckstange. 
          
          Was tut man da so? Im Kreis spazieren gehen und mit den anderen Tischtennis spielen.
           
          Die offene Seite des Hofes ist mit einem 2 m hohen Zaun und Stacheldraht abgesperrt. Dahinter wird ständig mit einem PKW patroulliert. Mit etwa 10 Metern Abstand folgt ein 6 Meter hoher Zaun dessen oberer Rand mit Natodraht gesichert ist. Dahinter eine etwa 6 Meter hohe Mauer. Wer diese überwindet, für den ist der 2 Meter hohe Zaun der nun noch folgt ein Witz.
          Briefe
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          Die ersten Briefe kamen schon nach zwei Tagen an. Briefe erhielt Felix nach dem Mittagessen, teils auch noch abends.
          
          Die Briefe werden in die Zelle gegeben. Sie müssen unter Aufsicht des Wärters geöffnet werden. Darin enthaltene Zettel müssen auseinander gefaltet und der Umschlag ausgeschüttelt werden.
          
          Der erste Brief kam von der besetzten Wiese. Ob man seine Adresse auf dem hambacherforst.blogsport.de veröffentlichen darf und ihm was reinschicken soll?
          
          Danach kam täglich minenstens ein Brief
          
          Generell wird empfohlen, beim Schreiben mit knastis Briefmarken mitzuschicken. Es darf ruhig mal eine mehr sein.
         
          Felix: (Sinngemäß, anhand meiner Notizen aus dem Gspräch, Kein O-Ton)
          "Ich bekam sehr viele Briefe. Sogar Briefe von Personen die ich nicht kannte. Viel Blödsinn, aber der war eine gute Ablenkung.
          Aber auch Erzählungen von Unternehmungen die zuvor gemeinsam geplant waren und ohne mich abliefen. Es war viel cooler Scheiss dabei. Menschen schickten mir Liedtexte, Spanischvokabeln, oder Listen ihrer derzeiten lieblingswörter. Man machte Witze und entschuldigte sich anschliessend für die Taktlosigkeit. Die Leute haben sich echt Gedanken gemacht, was richtig Spass gemacht hat. Ich habe die Briefe wieder und wieder gelesen und mich über jeden Brief gefreut.
          Ich erhielt richtig coole Fotos vom Wald und den Besetzungen sowie Zeichnungen mit denen ich die Zellenwände aufhübschte. So wurde die Zelle schnell gemütlicher.
          Auch interessante Zeitungsartikel sind gut, kommen an die Qüalität von persönlichen Schreiben jedoch nicht dran. Sehr interessant waren die Berichte von der Besetzung "Neuland", denn um deren Fortbestand habe ich mir echt viele Sorgen gemacht. Es tut gut zu wissen, was draussen um einen herrum passiert."
          
          Ausgehende Briefe müssen offen abgegeben werden.
          Es wird einem Vorgeschrieben nicht übertrieben über die Haftbedingungen zu schreiben. 
          Mithäftlinge
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          Die anderen im Knast sind so weit freundlich, manche machen sich lustüg über Felix. Zum Beispiel im TV Raum, als er die Simpsons schauen möchte. Geguckt wurde es trotzdem. Man ist solidarisch untereinander.
          Kleidung
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          Wenn keine Wechselkleidung mitgebracht wird kann kostenlos Anstaltskleidung beantragt werden. Grau-blaue Hose, Hemden und Unterwäsche. Die Kleidung wird sogar für einen gewaschen.
          Wer wert auf eigene Kleidung legt, sollte sich jedoch Wechselkleidung reinschicken lassen, denn man wird vor die Wahl gestellt, entweder ausschliesslich Anstaltskleidung oder ausschliesslich eigene Kleidung zu tragen.
          Wenn man keine eigene Wechselkleidung dabei hat, wird einem irgendwann übler Körpergeruch unterstellt und man wird zwangsweise auf Anstaltskleidung umgekleidet. Die eigene Kleidung wird dann für einen gewaschen und auf die Habe gelegt.
          Felix hatte Glück, einen Tag nachdem man ihn zwangumgekleidet hatte, kam ein Packet mit Kleidung aus dem Umsonstladen der Wiesenbesetzung.
          Eigene Wäsche muss man selbst waschen. Hierfür kann man sich einen Eimer erfragen. 
          Beschäftigung. Was tut Mensch so im Knast?
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          Bücher und Briefe lesen, viel schreiben, mit anderen Inhaftierten Fremdsprachen lernen und übersetzen. Landschaft, Kaninchen, Ratten und Motten vor dem Fenster beobachten.
          Radio hören, liegestütze machen, beim Hofgang mit Mithäftlingen schnacken, zumeist über den Knastalltag und die individuellen Hintergründe der Inhaftierung.
          Dem eingeteilten Obst beim Reifen zusehen.
          Haftprüfung 
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          16.12.
          Am Tag der Haftprüfung hat Felix für den Fall frei zu kommen damit nichts weg kommt schonmal seine Briefe und die Fotos von den Wänden zusammengelesen und eingesteckt. Für die Haftprüfung wurde er in’s Amtsgericht Düren transportiert.
          
          "Freiheit für Felix und zwar sofort!"
          Der Eingangsbereich des Amtsgerichtes wurde derweilen von 18 AktivistIx belagert die es garnicht abwarten konnten, Felix in ihre Arme zu schliessen. Ich war einer davon.
          Lautstark, mit Bannern und Kreidemalereien schmückten und belebten wir den kargen Vorplatz und verliehen unserer Forderung nach Freiheit für Felix Ausdruck. Einige äffchen besetzten gemäß ihrer Lebensgewohnheiten einen Baum im Eingangsbereich.
          
          Die ausführende Staatsgewalt tauchte in Form von zwei Streifenwagen und vier PolizistIx auf und verschwand zunächst in’s Gerichtsgebäude. Vermutlich um sich einen Befehl zur Räumung des Eingangsbereiches zu holen. Als sie wieder raus kamen, grüßten sie freundlich und taten kund, dass wir als spontane Versammlung akzeptiert sind, jedoch einen Versammlungsleiter bräuchten. Da haben sie nich mit den juristischen Kenntnissen einiger TeilnehmerIx gerechnet: "Sie haben eben selbt festgestellt, dass wir eine spontane Versammlung sind und als solche brauchen wir keinen Versammlungleiter." Tat ein AktivistIx kund. Ein anderes Aktivistix malte derweilen mit Kreide eine Leiter auf den Vorplatz. "Am Ende braucht jede Versammlung einen Versammlungsleiter. Ausserdem haben sie ja sogar Banner dabei" bezog sich das PolizistIx auf unser altes "Eure Kohle killt das Klima RWE und EnBw entmachten" Banner. Das wir diesen Banner jedoch nicht extra für diese Aktion angefertigt haben, beurkundet spätestens dessen unterer Rand der vor lauter nutzungsbedingter Schlammschuhabdrücke schon fast von selbst seht. Die PolizistIx machten sich nur selbst lächerlich. Letzen Endes sahen sie das ein und zogen ab.
          
          Schliesslich trat Felix durch die Tür und freute sich über den Empfang. 
          Die Zeit in der Zelle hat er dank der zahlreichen Briefe die ihm geschickt wurden gut überstanden.
          
          Ich weiss nicht, wie es euch geht und sicherlich gibt es Unterschiede, aber dennoch hat mir Felix Geschichte einige Angst vor dem Knast genommen.
          
          Solidarität ist eine Waffe.
          
          Hambacher Forst bleibt!
          Links:
          
          01.11. HFB Bericht über den Angriff der Secus (Pfefferspray)
          http://hambacherforst.blogsport.de/2014/11/01/der-donnerstag-aus-unserer-sicht/
          
          18.11. HFB Bericht über die Verhaftung http://hambacherforst.blogsport.de/2014/11/18/rodungsmaschiene-besetzt-aktive-in-polizeigewahrsam/
          
          18.11. ACAB Soliaktion vor der Wache am Tag nach der Verhaftung. http://acab.bike/aktionsblog/20141118%20Freiheit%20f%C3%BCr%20die%20BaggerbesetzerIx%20Mahnwache%20vor%20der%20Hauptwache%20D%C3%BCren/
          
          13.12. HFB Terminankündigung zur Haftprüfung am 16.12.2014
          http://hambacherforst.blogsport.de/2014/12/13/haftueberpruefung-von-felix/
          
          16.12. HFB Blogeintrag über die Freilassung von Felix
          hambacherforst.blogsport.de/2014/12/16/hurra-hurra-unser-compa-ist-frei/
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